Mittagsposition: 53° 46.44 N, 006° 44.22 E, Etmal: 125,7 sm.
Aktueller Standort mit dem zurückgelegten „Pfad“.
Ralf:
Zum Wachwechsel segeln wir wieder. Seit kurz nach Mitternacht ist der Motor aus. Mit leicht achterlichem Wind und schiebendem Gezeitenstrom machen wir gute Fahrt. Vor Ameland sind doch am sehr frühen Morgen viele Segler unterwegs, die uns entgegenkommen. Da hat wohl gerade eine Schleuse die alle ausgespien. Vor Borkum passiert uns eine finnische Segelyacht hoch am Wind. Von vorn gegen die aufgehende Sonne war die schmale Silhouette optisch kaum auszumachen. Auch im Radar erzeugte sie nur einen ganz kleinen Blip und wir waren ausweichpflichtig. Da ist das AIS echt hilfreich, wenn es vor herannahenden Fahrzeugen warnt, und gleich auch noch die Fahrzeugdaten samt Kurs und Fahrt bereitstellt.
Wir passieren eine Insel nach der anderen, ein Windkraftfeld nach dem anderen, und eine Menge Bohrplattformen. Kurz vor Borkum kreuzen wir die Grenze der deutschen Hoheitsgewässer. Bei frischem, böigen Wind nimmt der Seegang wieder zu. In der deutschen Bucht kämpfen Gezeitenströmung und Wind gegeneinander an und erzeugen eine unangenehme Welle, die RE gar nicht mag. Auf der Reede für die Ansteuerung Jade und Weser liegen viele Schiffe, die darauf warten, einen Hafenplatz zu bekommen und abgefertigt zu werden. Nichts mehr mit Seemanns-Romantik: Rein, Ausladen (Löschen), Einladen (Stauen), Raus. Alles in ein paar Stunden. Wer soll da noch Zeit für die Mädels in der Hafenbar haben (wenn es die überhaupt noch gibt)?
Kurz nach 20 Uhr passieren wir die Tonne Elbe 1 und verlassen damit die Nordsee. Mit dem Abendessen haben wir auch so lange gewartet, da der Seegang danach deutlich ruhiger wird. Es gibt heute die zweite Hälfte des Sauerkraut-Auflaufs. Mit Einlaufen in das Elbe-Fahrwasser, ist erhöhte Aufmerksamkeit notwendig, insbesondere im Dunkeln.