2026 07 30 Bumpy Roads

Mittagsposition: 44° 53.33 N, 037° 34.86 W, Etmal: 155,7 sm.

Mittagspositionen

Aktueller Standort mit dem zurückgelegten „Pfad“.

Seemannsbegräbnis ist heute angesagt! Die kleine Schwalbe vom 24.06. hat sich doch ein Plätzchen auf RE gesucht: Auf dem Grab-Bag hat sie ihre letzten Stunden verbracht. Ok – gestört haben wir sie da nicht. Aber auch Wasser und was Futterbares hat sie da nicht bekommen.

So tritt die verbleibende Mannschaft an Backbord Achtern zusammen, eine kurze, aber launige Rede wird auf die Verstorbene gehalten („Schade!“), dann Seite gepfiffen und über Bord. Nun gut – ich muss zugeben, ganz superordentlich war es nicht. Keine Kanonenkugel ans Bein gebunden, nicht in ihrer Hängematte eingenäht…

Ralf:

‚Bumpy Roads‘ Es ist dunkel, es ist kühl, es ist grau, es schüttet. Wir segeln durch eine graue, nasse Welt. Aber mit jedem Hopser bewegt sich RE ostwärts auf ihr Ziel zu. Es bleibt windig und wir machen gute Fahrt, wie unser Etmal zeigt, kein Rekord, aber mehr als zufriedenstellend, und dann noch in die richtige Richtung, was beim Segeln nicht immer sichergestellt ist.

Wir sind jetzt seit über zwei Wochen in See. Zwei Wochen nur Wasser um uns herum, viel Wasser. Wir sind ein winziger Punkt im großen Ozean. Aber es wird nie langweilig. Der Tag ist strukturiert, Wache, Essen, Schlafen. Dazwischen dann Arbeiten an Bord, Wetter beobachten, Segel anpassen, auf andere Schiffe achten, auch wenn die hier auf Hoher See sehr spärlich sind. Es ist eher ein Highlight, ein anderes Schiff zu sehen. Nachmittags haben wir ein Schiff, wahrscheinlich ein Fischer, im AIS, vier Meilen entfernt. Aber wir können ihn aufgrund der hohen Wellen und des dunstverhangenen Horizonts nicht sehen.

Auch der Ausblick ist nie langweilig. Das Meer ändert sich ständig; mal blau, mal grau, abhängig davon, wie der Himmel sich gibt; Dünung, die über tausende Kilometer anrollt, darauf überlagernd, ständig sich ändernde Wellen, mal mit Schaumkronen, mal ohne. Und es ist nicht leer, Delfine, Fische, Quallen und Vögel begleiten uns. Insbesondere die Sturmtaucher, Hochseevögel, die fast ihr gesamtes Leben auf dem offenen Meer verbringen, gleiten scheinbar mühelos durch die Wellentäler und segeln über die Wellenkämme hinweg, immer auf der Suche nach……

Den ganzen Tag konnten wir Strecke nach Osten gut machen. Abends gibt es selbstgemachte Bohnensuppe ‚Chrischan Style‘, erinnert etwas an Chili con Carne, aber die vegetarische Form ohne Fleisch.

© 2020 C. Fuhrmann