Mittagsposition: 41° 21.81 N, 052° 40.50 W, Etmal: 111,8 sm.
Aktueller Standort mit dem zurückgelegten „Pfad“.
Mittags sind wir auf Länge von St. John’s und verlassen damit den amerikanischen Kontinent nach Osten…
Ralf:
Dunkle Nacht, leichter Wind, sanftes Wellenschaukeln, heller Sternenhimmel mit sichtbarer Milchstraße, ziemlich dunstiger Horizont, 4 kn Fahrt, Meeresleuchten im Kielwasser und die Dreifarbenlaterne brennt im Masttopp. Wir laufen weiter am nordwestlichen Rand der Schwachwindzone des Azorenhochs entlang. Noch 1000 sm von den Azoren entfernt, aber Auswirkungen bis hier.
Am Tag schläft der Wind fast ganz ein. Wir machen nur noch 3-4 kn Fahrt, und das auch nur dank ParaSailor. Das Meer hat sich beruhigt, bis auf eine leichte Dünung von achtern. Neben dem Boot an Steuerbord entdecke ich zwei Fische im Wasser (Thunfische?), die uns ein paar Minuten begleiten. Warum schwimmen die nicht an Backbord, wo die Schleppangel hängt, und beißen an? Den Köder haben wir inzwischen ausgetauscht, in eine größere Form mit mehreren Haken. Die Aktion hat uns mindestens 45 Minuten Klarieren der völlig vertüddelten Angelleine gekostet. Ab jetzt ist nur noch sauberes Aufrollen der Angelleine beim Checken des Köders angesagt. Zum Glück treibt hier im Moment wenig Seegras, das sich sonst ständig in Gewichten und Haken verfängt.
Wir beobachten auch eine Schule Grindwale (Pilot Whales), die in entgegengesetzter Richtung an uns vorbeizieht. Der Chef hatte eine imposante Rückenflosse. Auch ein kleiner Landvogel, eine Art Schwalbe, besucht uns (800 sm vom nächsten Land entfernt). Er flattert überall herum, sogar in den Salon, sodass wir die Mückenschutztür wieder schließen müssen. Ein Platz auf der EPIRB hat es ihm besonders angetan. Die erinnert ihn wohl an ein Nest, an der Wand angebracht, oben knapp unter der Überdachung des Achterschiffes. Hauptsache, er löst keinen Notalarm aus.
Eine weitere Suche nach der Frischwasserleckage bringt keinen Erfolg, obwohl wir dazu die halbe Steuerbordkabine auseinanderreißen. Der Wind frischt am Nachmittag wieder etwas auf, sodass wir wieder unsere bisherige, normale Reisegeschwindigkeit laufen können. Abends gibt es Baguette mit selbstgemachten Hummus und Salat. Bald haben wir die letzten Frischvorräte aufgebraucht.