Los von Cape Charles Yacht Center via Chesapeake Bay Bridge in den Atlantik!
Heute berichtet dankenswerter Weise wieder Ralf:
Heute ist die geplante Abfahrt. Aber es gibt noch so viel zu tun. Wir wollen 2 p.m. anvisieren, es könnte aber auch später werden. Wir sind beide früh wach und fangen gleich an. Zuerst wird die Doppelfock wieder angeschlagen. Mit zwei Mann geht das relativ problemlos, da einer auf dem Vorschiff arbeiten, und der andere die Leinen aus dem Steuerstand bedienen kann.
Danach arbeiten wir konsequent Chrischan’s Checklisten ab: Aufklaren, Restarbeiten, Sicherheitsaspekte, Kaffeepause, und vor allen Dingen Chrischan’s Ausflug in den Mast. Dort prüft er alles Wesentliche: Beleuchtung, Navigationslichter, allgemeiner Zustand stehendes und laufendes Gut. Er hängt gesichert im Großfall, noch mit Eigensicherung am jeweiligen Arbeitsort. Trotzdem ist das kein Vergnügen und eine schweißtreibende Angelegenheit, sich an allen Stagen, Fallen, Lazy Bag und sonstigen Hindernissen vorbei zu schlängeln. In Cape Charles wird es zudem wieder heiß. Am Radar konnte er leider nichts machen.
Danach kommt das eigentliche Seeklarmachen. Das Beiboot wird abgedeckt und fest verzurrt, der Sonnenschutz wird von den Fenstern abgemacht und verstaut, Strecktaue werden gespannt, dass man sich bei Bedarf bei schwerem Seegang beim Gang auf das Vorschiff mit dem Rettungsgurt einhaken kann. Auf RE kann man das meiste aus dem Steuerstand bedienen, aber im Falle des Falles…….
Um 1 p.m. sind wir seeklar und schweißgebadet. Deshalb gönnen wir uns noch eine schön entspannte Dusche in Cape Charles. Chrischan verabschiedet sich im Hafenbüro, und Jackie, die Managerin, kommt noch mit raus und macht Fotos und Videos von unserer Abfahrt, die sie uns kurze Zeit später per Internet schickt. Im Prinzip alles supernette und entspannte Leute in ‚Rural America‘.
Wir schaffen tatsächlich die 2 p.m. Auslaufzeit. Unter Motor gehen wir aus dem Hafen und biegen in die Chesapeake Bay ein. Natürlich vergessen wir nicht, Odin und Neptun und Poseidon ein hochprozentiges Opfer zu bringen und um eine gute und schnelle Reise zu bitten. Der Wind steht so günstig, dass wir als Unterstützung die Fock setzen können. Der Rückenwind und der Ebbstrom schieben uns mit teilweise über 7 kn aus der Bay.
Um genau 4 p.m. fahren wir unter der Chesapeake Bay Bridge durch, ein gewaltiges Bauwerk, dass Cape Charles quer über die Bucht mit Norfolk verbindet. RE’s Mast passt so gerade drunter durch. Größere Schiffe müssen das Fahrwasser über den beiden Tunneln benutzen.
Kaum im Atlantik begrüßen uns Delfine, ein gutes Zeichen, und wir können den östlichen Kurs absetzen. Richtung Europa liegen nur noch die Azoren dazwischen. Beim Einstellen des Nav-Plotters stellt Chrischan fest, dass das Radar wieder funktioniert. Hurray! Immer gut, wenn man das in der Hinterhand hat. Im Moment, bei guter Sicht reicht auch das AIS. Als der Wind etwas nachlässt, setzen wir den ParaSailor und gewinnen so wieder etwas an Geschwindigkeit.
Um fast genau 8 p.m. verlassen wir die US-Amerikanischen Hoheitsgewässer. Jetzt haben wir wieder 20 Uhr. Zum Abendessen gibt es fertig gegrilltes Hähnchen noch aus dem FoodLion in Cape Charles mit Baguette und Salat. Dann verteilen wir noch die Wachen für die erste Nacht, was bei einer Crew von zwei Personen eher Schätzsache ist. Im Endeffekt ist es abhängig davon, wie gut man schläft, wie nötig man Schlaf hat, oder welche Manöver anliegen. Aber der Wind schiebt uns zuverlässig durch die Nacht nach Osten.