Mittagsposition (vor Anker): West Palm Beach Lagoon, Trip gesamt: 111,1 sm.
Viel Schlaf gibt es nicht, das hatte ich ja gestern schon erklärt. Und ich komme der Küste immer näher – muss der Küste immer näher kommen, denn „draußen“ fließt der Golfstrom. Und das mit bis zu 3 kn und das gegenan. Wenn ich dann gerade mal 4 kn durchs Wasser mache, bleibe ich quasi stehen. Bewege mich dann noch mit 1 kn vorwärts. Das geht eben nicht… Und so werden die Intervalle, in denen der Wecker piept immer kürzer.
Ja – der Autopilot ist recht zuverlässig. Also ziemlich. Und ich habe zwei zusätzliche Alarme eingeschaltet. Einmal, wenn er das Ruder über 25° legt. So normal sind bis zu 10°. Das heißt dann also, er hat keine Möglichkeit, den Kurs noch ordentlich zu korrigieren. Und der andere auf eine Kursabweichung. Klar – da könnte man sagen, die Alarme werden schon…. Aber: Wenn ich unter 2 Meilen bis zur Strandung habe, sind das keine 20 Minuten. Bis es vorbei ist. So sind dann 10 Minuten schlafen schon großzügig bemessen…
Und dann passiert das Unglück. Ich will die frisch gefüllten Wasserkanister weg stauen. Stehen in der Dusche. Und ich überlege, zwischendurch mal schön zu duschen: Gestern lief der Watermaker bald 5 Stunden. Ich habe gerade genug. Und da der Motor läuft, ist es auch superschön warm!
So bringe ich den großen Kanister – 30 kg – nach hinten. Und dann kommt alles zusammen: 30 kg, da brauche ich zur „Feinnavigation“ beide Hände, RE, eine heftige Welle, der Fensterrahmen und meine Augenbrauen. Finden alle herrlich zueinander. Und auch auseinander. Zehntelsekunden später stehe ich also ohne Kanister, dafür mit einer Hand am Fensterrahmen wieder gerade da. Und die andere Hand fährt zum Auge. Alles matschig. Ich presse die Hand aufs Auge und eile ins Badezimmer. Mit dem rechten Auge sehe ich: Augenbraue aufgeschlagen, Auge ist nur in der Hand mit dem Blut voll gelaufen. Alles abwaschen. Auge unversehrt. Kurze Zeit Druck auf die Wunde hält den Blutstrom auf. Feinwasche. Vorsichtig trocken tupfen. Ulkig 1: Es hat aufgehört zu bluten. Ulkig 2: Es tut überhaupt nicht weh! Also Pflaster drauf, ein Leukotape drunter geklebt, dass es, sollte es wieder bluten, nicht wieder das Auge vollläuft. Hmmm – sch… aber nicht wirklich schlimm!
Ach ja – das Segel musste nun endgültig runter, die Fock kommt ab 4:15 Uhr wieder raus. Das Spiel geht von gestern heute weiter…
Als es hell wird, entscheide ich: Mein Zustand ist nicht gut, noch so eine Nacht durch zu machen. Tagsüber könnte ich in Fahrt nicht schlafen, die nächste Nacht wäre unsicher. Und im Hellen werde ich nicht mal Fort Lauderdale schaffen. Also: Rein nach West Palm Beach. Die An- und Einfahrt ist einfach. Insbesondere, da keine anderen Schiffchen kommen.
Dann links abbiegen, ein großes, aber doch recht volles Ankerfeld ist dort mein Ziel. Das erste Plätzchen ist mir ein wenig eng, aber dann! Anker fällt, und ich ziemlich schnell hinterher. Also der Anker auf den Grund und ich in die Koje. Nach einer schönen, langen, heißen Dusche. Und selbst die Wunde zetert beim Duschen nicht. Unverständlich, aber schön!
Irgendwann wache ich wieder auf. Es ist herrlich warm. Also – genau mein Bereich: 25 – 27°. Es ist ruhig. Und dann bekomme ich sogar Appetit. Mache mir eine Nudel-Eier-Pfanne. Das hatte ich auch schon tagelang nicht mehr, dass ich wirklich was essen möchte!
Den Rest des Tages hänge ich einfach nur ab und schaue abends eine nette Komödie im Fernsehen. Um 21 Uhr bin ich in der Koje und will lesen. Wird aber nichts draus…. Gute Nacht!