Wir schreiben die Berichte für uns – zur Erinnerung, weil man doch so schnell vergisst. Es bleiben die großen Momente, aber Vieles gerät in der Erinnerung dann durcheinander. Und dann kommen die Diskussionen, wann war das gewesen. Davor oder danach.
Da hilft es dem Rechthaber, in den Berichten und Fotos nachzuschauen.
Wir schreiben aber auch für all die, die nicht mit uns kommen konnten oder wollten. Unsere Verwandtschaft und unsere Freunde und Bekannten. Damit man die großen Linien nicht immer wieder erzählen muss, sondern in kleine Details gehen kann, weil sie die Berichte schon gelesen haben.
Und wir schreiben für die, bei denen allein die Vorstellung, dass wir lossegeln eine ungeheure Faszination hervorruft.
Das ist mir klar geworden, als meine lieben Kollegen mir immer wieder versicherten, dass unser Unterfangen für sie unvorstellbar sei. Und die dann am nächsten Tag mit Fragen kamen, wie das denn sei. Wir müssten doch immer Wache gehen. Und wenn wir wochenlang auf hoher See seien, dann würde das Wasser doch knapp. Und ob wir denn auch einen Motor an Bord haben. Wenn wochenlang Flaute herrscht! (Wir haben sogar zwei große Maschinen. Und auch für das Dinghy haben wir Motorkraft.) Und wenn Sturm kommt, so mitten auf dem Atlantik, dann könnten wir uns doch in keinem Hafen verstecken.
Lauter Detailfragen, die aber zeigen, dass sich viele auch noch mit unserer Reise beschäftigen, wenn wir nicht gerade zusammen stehen. Da wirkt die Vorstellung nach und die Gedanken drehen sich immer noch um ein Leben, das sie so sicher gar nicht führen wollen. Das aber anscheinend eine große Faszination ausübt.
Und zu guter Letzt möchte ich all den Unbekannten Eindrücke geben, so wie ich schon als Jugendlicher die Berichte der Großen der Fahrtensegler-Szene verschlungen habe. Diesen sei Dank, denn sie haben schon Anfang der 70er Jahre in mir den Plan reifen lassen, durch die Welt zu segeln. Das hatte mich eigentlich schon als Kind beschäftigt. Ich bin – anders als meine Umgebung – mit meinem Opti nicht im Pulk um die Wette um ein paar Bojen gefahren, sondern mit einem Kumpel los gezogen. Um die Ecke. Hinter dem Busch an Land gehen und sehen, was da zu entdecken ist. Im Hamburger Yachthafen – der in meiner Heimatstadt Wedel liegt – an einen rostigen Ponton anlegen und da reinklettern. Gut – innen ist er dunkel und dreckig. Aber so dreckig, wie wir da raus kamen, so glücklich waren wir. Später sind wir dann zu zweit oder dritt losgezogen. Die Jolle war etwas größer geworden und wir hatten Zelt und Schlafsack, Kocher und Vorräte dabei. Haben die Elbe von Cuxhafen bis in den Elb-Lübek-Kanal unsicher gemacht.
Dann wollte ich eigentlich mit Anfang 30 losziehen. Hat nicht geklappt. Und irgendwann war ich so im Beruf gefangen, dass ein Ausbrechen auf Zeit die schlechtere Lösung war. Also Augen zu und durch. Auf die Pensionierung zu. Und dann….
Wir fangen also in einem Alter an, los zu segeln, in dem manch andere langsam daran denken, genau das aufzugeben. Mal schauen, was bei uns daraus wird!