2026 08 05 Tauchereinsatz auf dem Atlantik

Mittagsposition: 46° 26.03 N, 023° 41.71 W, Etmal: 118,1 sm.

Mittagspositionen

Aktueller Standort mit dem zurückgelegten „Pfad“.

Ralf:

Es hackt weiter und der Wind kommt immer noch aus der falschen Richtung. RE kämpft sich gegen 3-4 m Dünung und Wellen nach Nord an, bockt, stampft, rollt. Das Spiel mit dem unbeständigen Wind geht weiter. Groß in Reff 1, Fock in Reff 1, Fock wieder ausgerefft, mittags dann wieder in Reff 1.

Nachmittags stellen wir fest, dass die rote Schot des ParaSailors in einer Bucht außenbords hängt, wahrscheinlich durch Wellen und Stampfen von Bord gewaschen. Wir versuchen sie einzuholen, aber sie hängt unter dem Achterschiff fest. Kriegsrat: Wie kriegen wir die Leine wieder an Deck? So kann es nicht bleiben, da wir so den Backbord-Motor nicht nutzen können. Die Leine könnte sich ja auch im Propeller verfangen haben, oder beim Drehen der Schraube noch tun.

Chrischan nimmt die wasserdichte Kamera und versucht, von der Badeplattform aus unter den Rumpf zu fotografieren (natürlich mit Gurt gesichert). Auf den Aufnahmen ist nur zu erkennen, dass der Propeller frei ist, aber nicht, ob und wie die Leine sich um das Ruderblatt geschlungen hat.

Also, Chrischan zieht Neopren an. Wir bergen die Segel, um die Fahrt aus dem Schiff zu nehmen. Dabei das nächste Problem. Die Fock lässt sich mit dem eFurler nicht einrollen. Zum Glück geht das mit dem Not-Furler auch per Hand.

Tauchereinsatz: Chrischan geht mit einer Sicherheitsleine gesichert ins Wasser. Die rote Schot hatte sich einmal um das Ruder gelegt und zwischen Ruder und Rumpf beklemmt. Eine Seite bekommt er frei, die andere ziehen wir mit der Winsch frei bis die Leine wieder an Deck ist.

Beim eFurler stellt sich heraus, dass die Sicherung herausgesprungen ist. Reingedrückt, eFurler funktioniert wieder, beide Segel in Reff 1 gesetzt, Kurs wieder aufgenommen. Wahrscheinlich war die Sicherung beim Reffen mittags durch eine Überlast herausgesprungen. Nach einer guten Stunde ist die Aktion beendet (Chrischan wird sicher auch noch berichten).

Zum Abendessen wärmen wir, wegen vorgerückter Zeit und Seegang, Dosensuppen auf. Dazu gibt es selbstgebackenes Brot. Kochen war keine Option mehr.

Nun – Ralf hat mich ja sozusagen aufgefordert, auch meinen Senf dazu zu geben….
Zunächst und sehr wichtig:
Wir sind jetzt genau 3 Wochen unterwegs. Haben 2.900 Meilen zurück gelegt. Das ist ein sehr ordentlicher Wert. Schade nur, dass wie die letzten Tage Gegenwind haben und so im Wesentlichen nach Nord und so gut wie gar nicht nach Osten kommen….

Die rote Leine entdecke ich bei einem Kontroll-Gang aus der Werkstatt: Da witscht sie am Fenster vorbei. Dass sie ganz im Wasser schwimmt, ahne ich da noch nicht. Und an Oberdeck dann der Schreck: Einfach einholen lässt sie sich nicht. Ist irgendwo fest.

Bleiben nur 2 Möglichkeiten: Am Propeller-Schaft oder am Propeller oder – wahrscheinlicher, da der Prop nicht gedreht hat, am Ruder. Und da ist die unangenehmste Möglichkeit, dass es sich zwischen Ruder und Rumpf verhakt hat.

Dass die Leine eine Bucht gebildet und dann diese Bucht über das Ruder geschlagen hat, das halte ich für unwahrscheinlich. Also am einen Ende ziehen: Nichts – fest! Am anderen: dito! Sch….

Bewährtes Kriesenmanagement: Inne halten, Crew zusammen rufen, Zeichnung machen. Was könnte? (Siehe Foto der Zeichnung!) Es bleibt bei den o.a. Möglichkeiten. Doch wie – möglichst schnell und gefahrtlos feststellen, was nun wirklich ist? Den Einsatz der Uw-Kamera (mal wieder einen Dank an Cora!) bei voller Fahrt ist nicht einfach und nur mit Hand, nicht mit langer Stange, möglich. Und ja! Hurra! Es gelingen einige Bilder. (Die meisten zeigen nichts…)

Doch auf zweien ist eindeutig: Der Prop und Schaft sind frei. Also bleibt nur Möglichkeit Ruder übrig. Einfach feste ziehen birgt die Gefahr, dass – im eigentlich unmöglichen Fall, dass das Seil um das ganze Ruderblatt geschlagen ist - es so richtig fest gezogen wird. Also – keine Option.

Den Tauchereinsatz hat Ralf schon beschrieben. Aus meiner Sicht: Kopf unter Wasser und sofort war klar, dass das Unmögliche eingetreten ist. Der erste Versuch, das Seile frei zu ziehen, scheitert. Ralf muss mehr Lose geben. Zweiter Versuch: Es sitzt fest. Inzwischen bin ich ausgepumpt. Fehlende Fitness und auch ohne Segel macht RE gute Fahrt. Ich kann mich nur an den Achterspiegel hängen und wieder zu Atem kommen. Ralf muss das Ruder hart Backbord legen. Und dann dritter Versuch: Ich bekomme das hintere Ende frei. Super!

Zu mehr reicht es nicht, ich hänge wieder am Achterspiegel und lasse mich von RE ziehen. Dann vierter Versuch: Leine über das Ruderblatt schlagen. Und ziehen. Nur: Das Ziehen bringt nichts. Noch ne Pause, noch mal hart Ruder legen, noch ein Versuch: Nichts!

Raus aus dem Wasser, mit der Bleiweste ist auch das schon Schwerstarbeit, ausgepumpt wie ich bin. Dann beide Enden auf die Winsch und ziehen. Es knirscht, es knackt und passiert nichts! Noch eine 1/10 Drehung – das macht übrigens Ralf, ich keuche nur die Anweisungen, und plötzlich dreht Ralf wie ein Wilder: Frei!

Dass es beim eFurler “nur“ die Sicherung macht, verleitet mich zu einem schweren Fehler! Als ich an die „große“ Sicherung in der Backskiste denke, erinnere ich mich noch: Not-Furler abschlagen, bevor du den eFurler nutzt. Aber das sage ich nicht laut und so kann Ralf nicht mit aufpassen.

Denn um an die Sicherung zu kommen, muss ich erst ein paar Fender aus der Backskiste raus holen. Dann komme ich an die Sicherung: Ja! Die ist aus! Hurra! Eine Chance mehr! Rein gedrückt, Fender wieder einsortiert. Und ab in den Steuerstand. Probieren. Ja – er dreht wieder! Hurra!

Und in der Betriebsamkeit und Freude vergesse ich den Not-Furler. Drehe die Fock raus, hole die Fockschot. Wunderbar. Als die endlich gut steht fällt mir der Not-Furler ein. Ist weg! Sch….
Übers Dach – den sicheren Weg – aufs Vorschiff. Da liegt er im Trampolin. Abgelaufen, das Seil eingedreht, die Sicherung abgerissen. Dazu ein Loch ins Trampolin gerissen! Sch…. Aber jedenfalls nicht über Bord gegangen! Jetzt bleibt nur noch: Einsammeln, mich ärgern über meine Doofheit, den – auch abgerissenen – Deckel, auch der liegt im Trampolin und ist nicht außenbords gegangen – wieder auf das Getriebe setzten und „heim“ in den Steuerstand. Es hätte schlimmer ausgehen können. Aber nun ist RE wieder komplett einsatzbereit!

Ach ja - und zu guter Letzt die gute Nachricht aus dem "Food-Blog":
- zwei wunderbare Viel-Korn-Kern-Brote
- Alfa Alfa und Mungbohnen-Sprossen sind fertig zum Verzehr

Wir versuchen eine kleine Challenge: Wer fängt das „Bumpy“ besser ein?? Heute: Chrischan! Und wie immer: Im Video sieht es nur halb so wild aus wie in Echt!

Der Beitrag von Ralf ist gestern zu sehen!