Mittagsposition: 38° 49.13 N, 056° 45.56 W, Etmal: 161,5 sm.
Aktueller Standort mit dem zurückgelegten „Pfad“.
So sieht Ralf es:
Wieder ein herrlicher Segeltag: Tiefblaues Meer, blauer Himmel, nur etwas Dunst am Horizont, der die Sichtweite auf ca. 5 sm begrenzt. Die Sonne brennt vom Himmel, die Schleppangel hängt am Heck. Ich sehe Atlantik-Sturmtaucher und Portugiesische Galeeren treiben an RE vorbei. ( Portuguese Man-o-War, Nein, keine Piraten, sondern Staatsquallen mit einem charakteristischen Rückensack, den sie wie ein Segel aufstellen können. In die Nesselfäden möchte ich trotzdem nicht geraten.)
Wir sind jetzt eine Woche unterwegs, mitten auf dem Atlantik, fast 1000 sm von der US-amerikanischen Ostküste entfernt, und nur noch 2000 sm bis Eingang The Channel. So, wie man die Größe Kanadas erst begreift, wenn man mit einem Wohnmobil von Ostküste zu Westküste gefahren ist, so kann man die Weite der Meere wohl nur ermessen, wenn man einen der Ozeane auf einem Segelboot überquert hat. Es ist fantastisch, riesige Weiten, doch die Welt schrumpft auf die paar Quadratmeter an Bord. Und dabei haben wir es auf einem luxuriösen Katamaran doch noch gut. Die Seeroutine hat sich eingespielt. Chrischan übernimmt die Wache von 20-03 Uhr, und ich bin von 03-10 Uhr zuständig bzw. wenn Chrischan ausgeschlafen hat. Die andere Zeit sind wir mehr oder weniger beide wach. Also nicht nur die Welt hat sich reduziert, sondern auch die täglichen Tätigkeiten, auf Wache, Essen, Schlafen und notwendige Arbeiten am und auf dem Boot.
Guter Wind treibt uns weiter voran. Der Seegang hat etwas nachgelassen und eine sanfte Atlantikdünung schaukelt RE nach Nordost. Am Nachmittag eine Schrecksekunde: Chrischan meldet, kein (Trink-)Wasser mehr, kommt zumindest keins mehr aus dem Hahn. Nach der Fehlersuche stellen wir erleichtert fest, ein Tank ist leer, der andere noch voll, aber nicht umgeschaltet. Also umschalten, 2 Stunden Watermaker-Betrieb, und Wasser ist wieder bei 100%.
Davon angestachelt, versuchen wir auch noch eine leichte Süßwasser-Leckage im Steuerbord-Rumpf zu finden. Chrischan verschwindet in den Eingeweiden von RE. An einige Stellen kommt man nur sehr schwer heran. Zwerg oder Schlangenmensch zu sein, oder beides, wäre da echt von Vorteil. Wir können die Stelle eingrenzen, aber den Austrittspunkt leider nicht genau lokalisieren. Danach sind wir beide wieder reif für eine Dusche. Wasser haben wir ja jetzt wieder.
Zum Abendessen belohnen wir uns mit amerikanischem Ribeye-Steak, Blumenkohl und Kartoffeln. Die Frischvorräte haben unter der schwülen Hitze der letzten Woche doch etwas gelitten. Angelerfolg heute: 0.
Chrischans Ergänzung:
Der erste Schrecken sitzt tief: Kein (Süß-)wasser mehr! Die Pumpe arbeitet, aber es kommt nichts mehr. Erste Beruhigung: Wir haben die beiden 300 l Tanks auf der Überfahrt getrennt. So sind ziemlich sicher noch 300 l im 2. Tank, damit kommen wir auf alle Fälle bis an Land.
Die Fehlersuche läuft schnell: Der Tank ist rappelvoll. Der sollte leer sein! Ooops – ich hatte die ganzen Jahre die falsche Vorstellung: Tankmesser und Entnahme geht aus dem Backbord-Tank. Der Watermaker füllt den Stbd-Tank. Alles (schöne) Wasser, das wir in der vergangenen Woche gemacht haben, ist aus dem Überlauf sofort wieder im Atlantik verschwunden. Und gelebt haben wir von Backbord Tank! Der ist nun – auch rappel – aber leer! Absperrung auf, Pumpe an, Wasser kommt! Große Erleichterung! Nun – dann muss ich die Routinen ändern. Und einen Umbau des Watermaker – Zulaufs erwägen. Und ganz konkret: Lassen wir den Watermaker mal gute 2 Stunden laufen, dann sind beide Tanks wieder voll!
Die Wochenbilanz hat Ralf ja schon angefangen.
925 sm = 5,5 kn auf die Entfernung, 1130 sm über Grund = 161,5 sm / d, fast 7 kn Durchschnitt. Zugegebenermaßen mit dem Golfstrom…. Aber das sind Rekordwerte für RE!