2026 01 19 Ankermanöver

Vor Anker: Junkanoo Bay, Nassau, keine Änderung.

Der Tag beginnt früh und abrupt. 03:50 Uhr: Der Ankeralarm weckt mich. Normalerweise ist der mit „kein GPS-Empfang“ unzufrieden. Doch jetzt zeigt er deutlich, dass RE auf Wanderschaft ist. So gehe ich mal die Lage peilen. Und ja: RE wandert. Richtung Ufer. Ich beschaue mir die Sache noch ein wenig, aber es gibt keine Diskussion: Der Anker trägt bei dem Wind nicht.

Also: Klar zum. Das ist schnell gemacht. Motoren an, Fernbedienung für die Ankerwinch und den Marlspieker um den Hals und Vorwärtsgang einlegen. Nach vorne. Ankerkette einholen, Hahnepot an Deck. Jetzt schnell in den Steuerstand, die Motoren auskuppeln. Nach vorne, Hahnepot lösen. Trotz Neumond habe ich gute Sicht. Die Uferbeleuchung und insbesondere die Beleuchung des Industriehafens spiegeln sich in den niedrigen Wolken und lassen mich alles gut erkennen.

Einkuppeln und Ankerkette bis zum Reiter holen. Den bekomme ich gut an Deck. Die Rennerei zum Steuerstand klappt prima, da hatte ich bei dem Wind Bedenken. Als das Reitergewicht gelöst ist kommt RE langsam quer. Also Steuerbordmotor ordentlich voraus, Backbordmotor leise zurück. Dabei dann die Kette weiter einholen. Irgendwann ist der Anker aus dem Wasser und ich gebe voraus. Doch – nicht zu weit. Der Wind wird zwar nicht drehen in den nächsten Tagen, aber ich will genügend Platz zum Fahrwasser haben. Anker fallen, bei 25 m den Reiter drauf. Und bei 42 m den Hahnepot. Dann auf 50m fieren.

Jetzt kommen die bangen Minuten: Hält der Anker nun? Es sieht so aus. Die Querpeilung über die rote Tonne steht, RE bewegt sich also nicht mehr! Und im GPS entsteht ein dicker Fleck. Klar – ein paar Meter zur Seite, 1 oder 2 m voraus und zurück. Das ist ok.

Auf den Bildern habe ich mal die einzelnen Stationen markiert...

Doch gleich wieder schlafen kann ich nicht. So bleibe ich bis 6 Uhr im Salon, daddel ein wenig und schaue ständig auf den Navigationsbildschirm. Doch: RE steht! Dann geht es endlich in die Koje. Und vor 9.30 komm ich auch nicht wieder raus.

Der Rest des Tages ist unspektakulär. Großreinschiff an Steuerbord geht weiter. Aus Dahl erreicht mich die Nachricht, dass Alice, Michèles Mutter, nach weit über einem Monat nach Hause gekommen ist und „sich gut macht“.

Und klar – ich schaue immer wieder mal auf den Navigationsbildschirm. RE steht! Anker hält. Gut – heute sind bis 25 kn Wind. Morgen werden es dann bis 35 kn. Da werde ich noch einen „Beobachtungstag“ einlegen…